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 Leseprobe Schreibstilratgeber II
schreibstilratgeber.com


2. ERZÄHLSITUATIONEN -PERSPEKTIVEN/SICHTWEISE

(Für einen umgfangreicheren Auszug der Leseprobe inklusive Grafiken klicken Sie bitte links auf das PDF-Icon)

Auktorial, personal, Ich-Erzählung, Innensicht, Außensicht … was bedeutet das eigentlich?

Es gibt veröffentlichte Autoren, die nie im Leben etwas von diesen Begriffen gehört haben und schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Einige sogar mit beachtlichem Erfolg. Andere beschäftigen sich mit dem Thema Erzählperspektiven und manche geben dabei den Versuch, die Unterschiede zu verstehen, mangels Vorhandenseins von einfach verständlicher Literatur wieder auf. Es gibt zahlreiche Fachbücher, die dieses Thema angehen, vielfach sind die Erläuterungen aber schwer verständlich. Unser Buch ist für Schreibanfänger gedacht und wir berücksichtigen, dass nicht jeder Autor Deutsch studiert hat, sich Linguist (Sprachwissenschaftler) oder Germanist (jmd., der sich wissenschaftlich mit der Germanistik befasst) nennt oder ein anderweitiges Studium mit dem Themeninhalt „deutsche Sprache“ absolviert hat. Wir wollen versuchen, mit diesem Kapitel dem Nachwuchsautor, der aus Lust und Liebe zum Schreiben seine Werke schafft, ohne ein Studium im sprachwissenschaftlichen Bereich absolviert zu haben, das Thema näherzubringen und hoffen, dass am Ende des Kapitels jedem Leser, dem die Modelle bislang ein Buch mit sieben Siegeln waren, die Erzählsituationen und die damit verbundenen Möglichkeiten und Einschränkungen sonnenklar geworden sind – als hätte es nie ein einfacheres Thema gegeben. Was sind überhaupt Erzählsituationen?

Einige Literaturgelehrte unterscheiden zwischen:
  1. der auktorialen Erzählsituation
  2. der neutralen Erzählsituation
  3. der personalen Erzählsituation
  4. der Ich Erzählsituation (auktorial/personal)
Diese vier Erzählsituationen sind nicht starr oder als festgelegt anzusehen. In einigen Romanen vermischen sie sich oder entsprechen nur teilweise einer typischen Erzählsituation, manchmal treten mehrere Erzähler auf und es entsteht ein Buch mit einer sogenannten Multiperspektive.

Als Schreibanfänger sollte man Experimente und Abschweifungen vermeiden. Die klare Einhaltung einer sauberen Erzählsituation innerhalb des gesamten Buches (ab und zu auch pro Kapitel/Szene) gehört allgemein zum guten Stil. Perspektivbrüche sind akzeptabel, wenn der Autor präzise weiß, wann und warum und mit welchem Ziel er sie einsetzt. So kommt es beispielsweise vor, dass der Erzähler aus der auktorialen Erzählweise mitunter in die personale Sicht eintaucht. Als verpönt gilt in weiten Kreisen allerdings, wenn der personale Erzähler plötzlich in die Köpfe anderer springt oder andere auktoriale Merkmale annimmt. Auch bei den meisten Verlagen ist dieses Vorgehen sehr unbeliebt.

Beschäftigen wir uns zunächst mit weiteren typologischen Modellen. In manchen findet man nur eine Unterscheidung in drei übergeordnete Erzählsituationen.
  1. die auktoriale Erzählsituation
  2. die neutrale Erzählsituation
  3. die personale Erzählsituation
Die Ich-Erzählung nimmt eine Sonderstellung ein, weil es, wie im Modell zuvor dargestellt, sowohl eine auktoriale als auch eine personale Variante gibt. Gibt es mehr als einen Erzähler innerhalb der Geschichte, spricht man von einer Multiperspektive.

Gérard Genette, ein französischer Literaturwissenschaftler, nimmt die unserer Ansicht nach für Anfänger zunächst am einfachsten zu verstehende Kategorisierung vor. Er unterscheidet zwischen Modus (Wer sieht?) und Stimme (Wer spricht?). Im nächsten Schritt bestimmt er das Verhältnis zwischen dem Wissen des Erzählers und dem einer Figur (Fokalisierung) sowie zwischen dem Standort der Erzählstimme innerhalb oder außerhalb der erzählten Welt, der Diegese. Diese Fachbegriffe muss man sich nicht merken, aber vielleicht erinnert man sich, wenn man irgendwann bei „Wer wird Millionär“ einmal darüber stolpert. Und manch einer wird die Bezeichnungen vielleicht auch bereits anderweitig gelesen haben. In akademischen Expertenzirkeln kreisen weitere Fachbegriffe: Nahperspektive, Fernperspektive, Rezeptionsästhetik, Produktionsästhetik, Polyperspektive u. v. m. Damit wollen wir uns nicht beschäftigen, sondern einen einfachen Weg finden, die Grundzüge der Erzählsituationen zu erläutern. Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass der Autor nicht identisch mit dem Erzähler ist. Hierüber gibt es unterschiedliche Ansichten, wir schließen uns jedoch der soeben getroffenen Aussage an und bitten Sie, dies insofern als gegeben hinzunehmen, als dass es für jede Regel immer eine Ausnahme gibt. Der Autor erfindet also eine Geschichte und innerhalb dieser Geschichte gibt es einen Erzähler, der das Geschehen zum Leser transportieren soll. Damit haben wir eine Erzählsituation. Der Autor hat eine Vermittlungsstrategie entwickelt. Um den Begriff Erzählsituation zu verstehen, benötigen wir nur vier Begriffe.

Innenperspektive und Außenperspektive
Innensicht und Außensicht

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